Der erste Schritt zur Beratung: Was Sie erwartet

29. Januar 2026

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Der erste Schritt zur Beratung: Was Sie erwartet

Der schwierigste Moment ist oft nicht das Gespräch selbst – sondern der Augenblick, in dem Sie zum Telefon greifen oder die E-Mail abschicken. Viele Menschen tragen den Gedanken an professionelle Unterstützung wochen- oder monatelang mit sich herum, bevor sie den ersten Schritt zur Beratung tatsächlich wagen. Sie fragen sich, was sie dort erwartet, ob ihre Probleme „schlimm genug” sind, was sie sagen sollen und wie das Gegenüber reagieren wird. Diese Unsicherheit ist verständlich – und sie lässt sich auflösen. Denn das Erstgespräch ist in erster Linie ein Kennenlernen, kein Verhör und keine Prüfung.

Warum der erste Schritt zur Beratung so schwer fällt

Die Hemmschwelle, psychologische Unterstützung zu suchen, ist nach wie vor hoch. Das liegt nicht daran, dass Menschen ihre Probleme nicht ernst nehmen würden – im Gegenteil. Oft ist es gerade die Ernsthaftigkeit der eigenen Situation, die Unsicherheit auslöst. Bin ich wirklich so belastet, dass ich Hilfe brauche? Schaffe ich das nicht alleine? Was denken andere, wenn sie erfahren, dass ich zur Beratung gehe?

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie geht davon aus, dass knapp 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland im Laufe ihres Lebens eine psychische Erkrankung entwickeln. Doch weniger als 20 Prozent der Betroffenen nehmen professionelle Hilfe in Anspruch. Die Gründe dafür sind vielfältig: Scham, Angst vor Stigmatisierung, Unwissen über Angebote oder die Sorge, als schwach wahrgenommen zu werden. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit spricht von Stigmatisierung als einer „zweiten Krankheit”, die neben den eigentlichen Beschwerden zusätzlich belastet.

Dabei ist die Entscheidung, sich Unterstützung zu holen, kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Zeichen von Selbstfürsorge und Handlungsfähigkeit. Menschen, die rechtzeitig professionelle Begleitung suchen, haben oft bessere Chancen, Krisen zu bewältigen und langfristige Belastungen zu vermeiden. Der erste Schritt zur Beratung ist also nicht der Beginn eines Problems – sondern der Beginn einer Lösung.

Was vor der ersten Sitzung passiert

Der Weg in die Beratung beginnt meist mit einer kurzen Kontaktaufnahme. Das kann ein Telefonat sein, eine E-Mail oder ein Kontaktformular auf der Website. In diesem ersten Austausch geht es darum, einen Termin zu vereinbaren und vielleicht schon grob zu klären, worum es geht. Sie müssen dabei nicht ins Detail gehen – ein Satz wie „Ich habe gerade eine schwierige Phase und würde gerne mit jemandem darüber sprechen” reicht völlig aus.

Manche Beraterinnen und Berater bieten ein kurzes telefonisches Vorgespräch an, um erste Fragen zu klären: Wie läuft die Beratung ab? Was kostet eine Sitzung? Passt das Angebot zu meinem Anliegen? Das kann helfen, Unsicherheiten abzubauen, bevor Sie sich persönlich treffen. Wenn Sie sich vorab informieren möchten, was psychologische Beratung grundsätzlich bedeutet und wie sie sich von Psychotherapie unterscheidet, finden Sie auf dieser Seite hilfreiche Informationen.

Wichtig zu wissen: Psychologische Beratung wird in der Regel privat bezahlt und nicht von der Krankenkasse übernommen. Das hat aber auch einen Vorteil – es gibt keine Wartezeiten wie bei kassenärztlichen Therapieplätzen, und die Beratung taucht nicht in Ihrer Krankenakte auf. Das kann zum Beispiel relevant sein, wenn Sie später bestimmte Versicherungen abschließen möchten.

Die erste Sitzung: Was Sie erwartet

Das Erstgespräch dauert in der Regel zwischen 50 und 60 Minuten. Es dient vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen. Die Beraterin oder der Berater wird Ihnen erklären, wie die Zusammenarbeit abläuft, und Ihnen Raum geben, von Ihrer aktuellen Situation zu erzählen. Dabei steht eines im Mittelpunkt: dass Sie sich wohlfühlen und einen ersten Eindruck davon bekommen, ob die Chemie stimmt.

Zu Beginn werden meist einige Rahmenbedingungen geklärt: Wie oft sollen die Gespräche stattfinden? Wie wird abgerechnet? Was passiert, wenn Sie einen Termin absagen müssen? Auch die Schweigepflicht wird angesprochen – alles, was Sie erzählen, bleibt vertraulich und wird nicht an Dritte weitergegeben. Das ist ein zentraler Grundsatz professioneller Beratung, der im Berufsethischen Kodex des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) verankert ist.

Danach haben Sie Gelegenheit, Ihr Anliegen zu schildern. Sie müssen dabei nicht perfekt formulieren oder alles auf einmal erzählen. Es ist völlig in Ordnung, zu stocken, nachzudenken oder auch zu sagen, dass Sie noch nicht genau wissen, wie Sie etwas ausdrücken sollen. Ein guter Berater wird Sie nicht drängen, sondern Ihnen zuhören und bei Bedarf nachfragen, um besser zu verstehen.

Welche Fragen gestellt werden – und welche nicht

Im Erstgespräch werden typischerweise einige grundlegende Fragen gestellt, um einen ersten Überblick zu bekommen. Dazu gehören Fragen wie: Was führt Sie zu mir? Seit wann besteht die Belastung? Haben Sie schon früher professionelle Unterstützung in Anspruch genommen? Gibt es körperliche Beschwerden, die mit Ihrer Situation zusammenhängen könnten?

Diese Fragen dienen dazu, Ihr Anliegen besser einordnen zu können und gemeinsam zu überlegen, welche Form der Unterstützung für Sie passend sein könnte. Es geht dabei nicht darum, eine Diagnose zu stellen – psychologische Beratung arbeitet in der Regel ohne formale Diagnosen, anders als Psychotherapie. Wenn Sie sich fragen, wo genau der Unterschied zwischen Beratung und Therapie liegt, kann das ein Thema sein, das Sie im Erstgespräch ansprechen.

Was nicht passiert: Sie werden nicht ausgefragt, unter Druck gesetzt oder zu Dingen gedrängt, über die Sie nicht sprechen möchten. Wenn bestimmte Themen zu nah gehen, können Sie das jederzeit sagen. Ein professionelles Beratungsgespräch respektiert Ihre Grenzen. Auch intime Details zu Kindheit, Sexualität oder familiären Verhältnissen müssen Sie im ersten Gespräch nicht offenlegen, wenn Sie das nicht möchten.

Was Sie selbst mitbringen sollten

Die wichtigste Voraussetzung für das Erstgespräch ist Ihre Bereitschaft, sich auf das Gespräch einzulassen. Sie müssen nichts vorbereiten, keine Unterlagen mitbringen und keine perfekte Problemanalyse präsentieren. Es reicht, wenn Sie kommen, wie Sie sind – mit Ihren Gedanken, Gefühlen und Unsicherheiten.

Viele Menschen machen sich im Vorfeld Sorgen, dass sie nicht die richtigen Worte finden werden. Dass sie zu viel oder zu wenig erzählen. Dass ihre Probleme banal klingen oder dass sie emotional werden. All das ist normal und gehört dazu. Ein professioneller Berater ist darauf eingestellt und wird Sie nicht bewerten.

Manche Menschen finden es hilfreich, sich vorher ein paar Stichworte zu notieren – Themen, die sie ansprechen möchten, oder Fragen, die ihnen auf der Seele brennen. Das kann dabei helfen, im Gespräch den Faden nicht zu verlieren. Andere kommen lieber unvorbereitet und schauen, was sich entwickelt. Beides ist völlig in Ordnung.

Was Sie nicht brauchen: eine Überweisung, eine Diagnose oder die Gewissheit, dass Ihr Problem „groß genug” ist. Psychologische Beratung ist nicht nur für Krisen gedacht, sondern auch für Situationen, in denen Sie sich orientieren, reflektieren oder eine schwierige Entscheidung durchdenken möchten. Wann Beratung sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – aber wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Gespräch Ihnen guttun könnte, ist das Grund genug.

Nach dem ersten Gespräch: Wie geht es weiter?

Am Ende des Erstgesprächs gibt es in der Regel einen kurzen Ausblick: Wie könnte die weitere Zusammenarbeit aussehen? Welche Themen könnten bearbeitet werden? Wie viele Sitzungen wären sinnvoll? Diese Einschätzung ist vorläufig und kann sich im Laufe der Zeit verändern.

Wichtig ist: Sie müssen sich nach dem Erstgespräch nicht sofort entscheiden. Wenn Sie Bedenkzeit brauchen, ist das völlig legitim. Es ist Ihr Prozess, und Sie bestimmen das Tempo. Manche Menschen spüren sofort, dass die Zusammenarbeit passt. Andere brauchen ein zweites Gespräch, um sicher zu sein. Und manchmal stellt sich heraus, dass die Chemie nicht stimmt – dann ist es besser, jemand anderen zu suchen, als sich in eine Zusammenarbeit zu zwingen, die sich nicht richtig anfühlt.

Wenn Sie nach dem Gespräch ein gutes Gefühl haben und sich verstanden fühlen, ist das ein wichtiges Zeichen. Die Forschung zeigt, dass die Qualität der Beziehung zwischen Klient und Berater einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg von Beratung und Therapie ist. Vertrauen aufzubauen braucht Zeit – aber im besten Fall beginnt dieser Prozess bereits im ersten Gespräch.

Sollten Sie nach dem Erstgespräch unsicher sein, ist das ebenfalls kein Problem. Manche Themen brauchen Zeit, um sich zu entfalten. Und manchmal wird erst im Laufe der ersten Sitzungen klar, welche Fragen eigentlich im Raum stehen. Beratung ist ein Prozess, kein einmaliges Ereignis.

Der erste Schritt zur Beratung: Ein Akt der Selbstfürsorge

Sich Hilfe zu holen, ist keine Schwäche. Es ist eine aktive Entscheidung, für sich selbst zu sorgen. Der erste Schritt zur Beratung kann sich anfühlen wie ein Sprung ins Ungewisse – aber auf der anderen Seite wartet ein Raum, in dem Sie gehört werden, ohne bewertet zu werden. Ein Ort, an dem Ihre Gedanken und Gefühle Platz haben.

Die meisten Menschen berichten nach ihrem Erstgespräch von einer gewissen Erleichterung. Nicht weil ihre Probleme plötzlich gelöst wären, sondern weil sie den ersten Schritt getan haben. Weil sie gemerkt haben, dass sie nicht alleine sind mit dem, was sie bewegt. Und weil sie erfahren haben, dass Beratung kein bedrohlicher Ort ist, sondern ein unterstützender.

Wenn Sie merken, dass bestimmte Themen Sie belasten, dass Sie immer wieder im Kreis denken oder dass Ihnen der Blick von außen guttun würde – dann ist das Grund genug, den ersten Schritt zu wagen. Sie müssen nicht warten, bis es Ihnen richtig schlecht geht. Frühzeitige Unterstützung kann helfen, größere Krisen zu vermeiden und Selbstfürsorge im Alltag nachhaltig zu stärken.


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Quellen

Aktionsbündnis Seelische Gesundheit: Stigma – Die zweite Krankheit

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP): Berufsethische Richtlinien

Springer Fachmedien: Evaluation der Aufklärungsbroschüre zu psychischen Störungen und Psychotherapie. Die Psychotherapie, 2022

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