Wenn Leistungsträger ausbrennen: Warum gerade die Besten gefährdet sind

17. Januar 2026

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Wenn Leistungsträger ausbrennen: Warum gerade die Besten gefährdet sind

Wenn Stärke zur Falle wird

Sie sind der Mensch, auf den man zählt. Der liefert, wenn es eng wird. Der einspringt, wenn andere ausfallen. Der Verantwortung übernimmt, bevor jemand fragen muss.

Sie sind stolz darauf. Es fühlt sich richtig an, gebraucht zu werden, einen Unterschied zu machen, Ergebnisse zu liefern. Und doch: Seit einiger Zeit schleicht sich etwas ein. Eine Müdigkeit, die der Urlaub nicht mehr löst. Eine Gereiztheit, die Sie selbst überrascht. Das Gefühl, auf Reserve zu laufen – ohne genau zu wissen, wann der Tank leer sein wird.

Wenn Sie sich hier wiedererkennen, sind Sie nicht allein. Und Sie sind nicht schwach. Sie sind möglicherweise genau das, was Unternehmen als Leistungsträger bezeichnen – und genau deshalb gefährdet.

Das Paradox: Wer viel gibt, bekommt mehr aufgeladen

Sie kennen das Muster: Weil Sie zuverlässig sind, werden Sie gefragt. Weil Sie liefern, bekommen Sie mehr Verantwortung. Weil Sie selten Nein sagen, fragt niemand, ob es zu viel ist.

So entsteht ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Ihre Leistung wird zur Erwartung. Das Außergewöhnliche wird zum Standard. Und irgendwann verschwinden Sie selbst hinter Ihrer Funktion.

Der Gallup Engagement Index zeigt seit Jahren: Gerade engagierte Mitarbeitende sind besonders burnoutgefährdet. Nicht trotz ihres Engagements – sondern wegen.

Warum Sie Ihre Grenzen oft nicht spüren

Vielleicht erkennen Sie sich in diesen Mustern:

Hohe Selbstansprüche. Sie messen sich an Maßstäben, die strenger sind als jede externe Erwartung. Gut genug ist selten gut genug.

Starke Identifikation mit Arbeit. Arbeit ist nicht nur Job, sondern Quelle von Selbstwert, Sinn und Zugehörigkeit. Das macht Sie engagiert – aber auch verletzlich.

Ausgeprägte Selbstkontrolle. Sie können Bedürfnisse aufschieben, Unangenehmes aushalten, weitermachen, wenn andere aufgeben würden. Das ist eine Stärke – bis es zur Selbstausbeutung wird.

Geringe Wahrnehmung eigener Grenzen. Die Signale Ihres Körpers überhören Sie, deuten sie um oder drücken sie weg. Sie merken erst, dass etwas nicht stimmt, wenn es nicht mehr zu ignorieren ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Burnout als arbeitsplatzbezogenes Phänomen klassifiziert – als Ergebnis von chronischem Arbeitsstress, der nicht erfolgreich bewältigt wird.

Die Dynamik der stillen Erschöpfung

Sie brennen anders aus als andere. Nicht laut, nicht dramatisch, nicht offensichtlich. Sondern leise, schleichend, lange unsichtbar.

Am Anfang kompensieren Sie. Die Belastung steigt, aber Ihre Leistung bleibt stabil. Mehr Arbeit wird durch mehr Einsatz aufgefangen. Nach außen funktioniert alles.

Dann zeigen sich erste Risse. Schlaf wird schlechter, Gereiztheit nimmt zu, Erholung gelingt nicht mehr richtig. Aber es gibt immer eine Erklärung: das Projekt, die Saison, die Umstrukturierung.

Langsam erodiert etwas. Die Freude an der Arbeit schwindet. Zynismus schleicht sich ein. Der Körper meldet sich – Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit. Aber aufhören ist keine Option.

Bis es nicht mehr geht. Irgendwann streikt der Körper, oder die Psyche kollabiert. Was lange kompensiert wurde, bricht durch – oft plötzlich, oft heftig.

Das Tragische: Gerade weil Sie so lange funktionieren, wird Ihre Erschöpfung spät erkannt. Von Ihnen selbst – und von anderen.

Was Sie wirklich brauchen

Sie brauchen keine Schonung. Sie brauchen keine Tipps für besseres Zeitmanagement. Was Sie brauchen:

Anerkennung, die über Leistung hinausgeht. Das Gefühl, nicht nur für Ihre Ergebnisse, sondern als Person wertgeschätzt zu werden.

Erlaubnis, Grenzen zu setzen. Nicht als Lippenbekenntnis, sondern als gelebte Erfahrung. Die Gewissheit, dass Nein-Sagen keine Schwäche ist.

Einen Raum für Reflexion. Einen Ort, an dem Sie nicht funktionieren müssen. An dem Sie ehrlich sein können – auch sich selbst gegenüber.

Verständnis für Ihre inneren Antreiber. Die Überzeugungen, die Sie antreiben, sind keine Charakterschwächen. Aber sie verdienen es, verstanden zu werden – damit Sie entscheiden können, ob Sie ihnen weiter folgen wollen.

Warum Tipps nicht reichen

Sie wissen vermutlich längst, was Sie tun sollten. Mehr Pausen. Besser abgrenzen. Auf sich achten. Das Problem ist nicht mangelndes Wissen. Das Problem sind innere Programme, die stärker sind als jedes Wissen.

Überzeugungen wie: „Ich muss immer 100 Prozent geben.” „Wenn ich nicht liefere, bin ich nichts wert.” „Andere schaffen es doch auch.”

Diese Überzeugungen lassen sich nicht durch Ratgeber verändern. Sie erfordern eine Auseinandersetzung mit sich selbst – mit Mustern, Motiven und Ängsten, die oft bis in die Kindheit zurückreichen.

Der Stressreport der BAuA zeigt: Hohe Arbeitsintensität kombiniert mit geringem Handlungsspielraum führt zu erhöhtem Stresserleben. Für Leistungsträger kommt hinzu: Oft ist der fehlende Handlungsspielraum ein innerer.

Fazit: Stärke braucht Schutz

Ihre Stärke ist keine unerschöpfliche Ressource. Sie braucht Pflege, Anerkennung und Grenzen.

Wenn Sie merken, dass Sie auf Reserve laufen – dass die Erholung nicht mehr gelingt, dass die Freude schwindet, dass Sie sich selbst fremd werden – dann ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Signal, das gehört werden will.

Leistung verdient Respekt. Aber auch Leistungsträger verdienen Fürsorge – bevor sie zusammenbrechen.


Wenn Sie sich in diesem Text wiedererkennen – oder wenn Sie spüren, dass es Zeit ist, genauer hinzuschauen:

Ich arbeite mit Führungskräften und Leistungsträgern, die mehr wollen als Tipps. Die verstehen möchten, was sie antreibt – und wie sie nachhaltig leistungsfähig bleiben können, ohne sich selbst zu verlieren.

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